Montag, 25. Mai 2015

3. Judenfragen - "Und wenn sie in der Sowjetunion Juden in Gaskammern stecken, ist das keine amerikanische Angelegenheit." Henry Kissinger


Die sture Ausrichtung, bei der Ermordung europäischer Juden, auf Nazi-Deutschland wird der Problematik nicht gerecht. Wir betrachten lediglich einen Teil des Geäst, statt den ganzen Baum. Nazi-Deutschland war lediglich ein Symptom einer Krankheit, die in der Sowjetunion ausgebrochen war und nach Deutschland herüber kam. Die Unterschiede zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland waren nicht so fundamental.  Ein wichtiges Bindeglied war dabei die Muslimbruderschaft. Diesen Punkt gilt es separat zu betrachten. Doch es gibt weitere Probleme im Kontext zu betrachten, vor allem, weil die Mitgliedschaft vieler Juden im politischen System der UdSSR dazu diente, die Judenverfolgungen des Sowjet-Reiches zu überdecken. Wie konnte es so etwas geben? Nun ich denke es hat viel mit jüdischen Kritikern Israels zu tun, denen die Existenz Eines Judenstaates offenbar ein Dorn im Auge ist. Doch sehe ich weitere Probleme, so dass der heftig kritisierte Zionismus selbst eine sozialistische Idee war. All das war der deutschen Linken sehr hilfreich ihre wahre Rolle schön zureden. Doch das Spiel gerät zur Farce, da unüberbrückbare Widersprüche immer wieder offen zu Tage treten, zum Beispiel im Antisemitismus der Linken. Um in dieser Frage aber von A nach B zu gelangen ist es ein langer Weg. Auf diesem gilt es einige enorme Wandlungen zu sehen. Daher ist es wohl das Beste, mit der Situation im zaristischen Russland zu beginnen.

ausführlicheres Hintergrundwissen zur jüdischen Geschichte in Russland finden Sie hier:
Die Jüdische Gemeinde und ihr Wandel
Die Juden im Osten

Im Irrtum ist, wer annimmt, dass die „Judenfrage“ von den Nationalsozialisten aufgeworfen wurde. Sie ist ebenfalls ein Import aus Russland. Ihr frühestes Auftauchen geht auf die Annektierung polnischer Gebiete durch das zaristische Russland zurück. Sie befasste sich mit den in Polen lebenden Juden. Allerdings wollte man das durch Assimilierung oder Ausweisung regeln. Die Ausweisungen wurden erst ab 1822 in den Dörfern von Weißrussland systematisch betrieben.

Mit dem Zar Nikolaus I wurde ein neues Kapitel in der Judenfrage aufgeschlagen. Er versuchte diese durch Gewalt und Unterdrückung zu lösen.

Die Einführung der Wehrpflicht für junge jüdische Männer lag die Idee zugrunde, diese im Krieg zu verheizen.
Ab 1840 beinhaltete die Judenfrage auch einen Aspekt der Erziehung, es war aber Umerziehung. Dazu wurden spezielle Schulen eingerichtet, die die Juden durch spezielle Steuer („Kerzensteuer“) selber finanzieren mussten. 1844 wurde der Erlaß zum Bau der Schulen herausgegeben.
Ich muss eingestehen das man erschreckende Parallelen zur gegenwärtigen Politik in Deutschland ziehen kann,
Der aus Deutschland stammende Rabbiner Max Lilienthal, Direktor der Jüdischen Schule in Riga, war zuvor mit der Organisation dieser Schulen beauftragt worden. Bald legte der Rabbiner aber einen Geheimplan offen, der den wahren Zweck der Schulen offenbarte. Durch Umerziehung sollte die jüdische Kultur verschwinden. Da ihm dafür der Tod drohte, floh er zurück nach Deutschland. Die Schulen wurden weiter geführt, durch liberale Juden und dem Rabbinerseminar in Wilnus und Schytomyr.

Schließlich kam es zur nächsten Phase der Judenfrage. Man begann damit alle Juden in „Nützliche“ und „Nutzlose“ einzuteilen. Ich möchte darauf hinweisen, das diese Einteilung dann auch von Nazis unternommen wurde und über sofortigen Tod durch Vergasen oder Tod durch Arbeit entscheidete. Bei Nikolaus I Gab es zwar keine sofortige Vergasung, aber der „Nutzlosen“ wollte man sich durch harte Frondienste entledigen.
Dieses Projekt zog die Kritik russischer Politiker nach sich und führte zur Intervention westeuropäischer Juden, was als Beweis des Weltjudentums gewertet wurde und zur Beweisführung für die Protokolle von Zion galt. 1846 reiste deshalb Moses Montefiore erfolglos nach Russland. Der Befehl wurde 1851 formell erteilt, durch den Krim Krieg aber hinausgezögert. Allerdings verdreifachte sich die Zwangsrekrutierung von Juden für diesen Krieg.

Unter Zar Alexander II lockerte sich zwar das Los der Juden, aber auch er versuchte es sie zu assimilieren. Es kam zu vielen Lockerungen deshalb, so dass Juden Anteil hatten am kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung im Land.
Genau das jedoch führte in der Bevölkerung zu scharfen Protesten und Panik. Viele Juden waren plötzlich führende Köpfe der slawophilen Bewegung, z.B. Konstantin Aksakow und Fjodor Dostojewski. Das war vielen ein Dorn im Auge. In der Unterschicht sah dies als Anzeichen dafür, dass die Juden einen „Staat im Staat“ errichteten, um die russische Arbeiterklasse auszubeuten. Man erwirkte, dass die Ritualmordlegende, welche Alexander I. 1817 verbieten ließ, wieder eingesetzt wurde. Dies geschah dann 1878, mit der Begründungen, die wie eine Vorausnahme der Nationalsozialisten klangen. In vielen Zeitungen erschienen Antisemitische Artikel, so auch in dem wichtigsten damaligen Blatt, der Nowoje Wremja (Neue Zeit). 
Der Judenhass wuchs insbesondere nach dem Balkankrieg 1877-1878, als die Panslawische Idee an Einfluss gewann, der zu einem übersteigerten Nationalismus unter der russischen Arbeiterklasse führte, der die Juden als subversive Eindringlinge sah, der für die Nöte der Unterklasse verantwortlich war.
Das spitzte sich immer weiter zu und erreichte am 13. März 1881 einen Wendepunkt. 
Durch das Attentat auf Alexander II. schwächte sich die Staatsmacht und es kam zu anarchistischen Zuständen. Wovon insbesondere die Linksextremisten, wie die Organisation Narodnaja Wolja (Volksfreiheit) profitierten. Sie waren es auch gewesen, die die Bombe detonieren ließen. Sie riefen das russische Volk zur Revolution auf und beschuldigten die Juden für das Elend im Land. Es kam zum ersten Pogrom im Gouvernement Cherson. Aber die Geheimpolizei Ochrana zerschlug die linksextremistische Organisation.

Aber es sollte sich nicht mehr bessern. Der Mob wütete viele Monatelang gegen Juden in Cherson. Abgeschwächt sogar bis 1884. Das war der Ausgang für mehrere Pogromen in Südrussland. Jüdische Geschäfte wurden geplündert, vergewaltigt und gemordet. Irwin Michael Aronson untersuchte die Progromen von 1881-84 ausführlicher. (I.M. Aronson, Troubled Waters. The Origins of the Anti-Jewish Progroms in Russia, Pittsburgh 1990) 
Entgegen der gängigen, aber von Linken geschönigten Geschichtsschreibung, macht Aronson klar, das die Staatsmacht diese Pogromen weder angezettelt hatte noch wollte, sondern diese als Teil eines Planes zu einer sozialistischen Revolution wertete. Und das obwohl einige lokale Behörden diese eventuell duldeten.
Auffällig ist wie sehr sich die linke Intelligenz, mindestens Gleichgültig, aber auch offene Sympathie bezüglich der Pogromen zeigte. Die Juden waren darüber sehr erschrocken, denn viele von ihnen hatten gemeint zu denen zu gehören.

Der neue Zar Alexander III versuchte die Hintergründe der Pogromen erforschen zu lassen. Seine Kommission befand, das der Grund in der von linken Extremisten implantierte Glaube im Volk an eine „jüdische Ausbeutung“ sei. Aufgrund dessen erließ man die Maigesetze 1882. Den Juden wurde nur noch erlaubt sich in Großstädten aufzuhalten. Nur so sah sich die Regierung im Stande die Juden zu schützen, da die Kontrolle im Land und Kleinstädten des großen Reiches immer schwach war. 
Auch wenn in diesem Fall tatsächlich die Absicht bestand die Juden vor Übergriffen zu schützen, liegt hier die Idee zur „Schutzhaft“. Sowohl die Bolschewisten, genauso die Nazis griffen zu dieser Methode, um Juden ohne Widerstand abzuführen, unter der Begründung sie vor einem wilden Mob zu schützen.

Nichtsdestotrotz gab es immer noch gewisse Schikanen der Regierung gegen Juden. 1891 begann eine systematische Vertreibung von Juden aus Moskau. Wir sehen hier die Vorlage zu dem was später die Nazis taten. Die haben sich an den Zuständen in Russland orientiert.  
Konstantin Podedonoszew, der Berater des Zaren, machte schließlich eine neue Etappe in der Judenfrage bekannt: 
Ein Drittel wird sterben, ein Drittel wird auswandern, und das letzte Drittel wird im russischen Volk assimiliert werden.“ So schrieb er an Dostojewski.
Er war die Graue Eminenz und Vater der Russifizierungspolitik, einem Vorgänger zur Germanisierungspolitik der Nationalsozialisten. Sein Einfluss verebbte zwar unter Zar Nikolaus II. aber die Politik der Russifizierung blieb erhalten und wurde in der Arbeiterklasse wohlwollend aufgenommen.

Die zunehmenden judenfeindlichen Maßnahmen des Zaren Alexander III hatten zu einer Radikalisierung der jüdischen Jugend geführt. Diese begannen sich zu organisieren und, um an Kraft zu gewinnen, verbanden sie sich mit den linken Revolutionären ihrer Zeit. Taktisch verständlich, hätten sie, wie geplant sich durchzusetzen gewusst. Ihre Gegner kreierten das Bild der jüdischen Unterwanderung, waren aber schlau genug sich nicht untereinander zu bekriegen, sondern bis nach der Revolution zu warten. 
Alexander III verschlimmerte alles, er hatte geglaubt das durch eine antijüdische Politik er das unzufriedene Volk kontrollieren konnte. Dazu tat er etwas sehr interessantes, was die Nazis wiederholten und erneut in Deutschland geschieht: Er ließ die Medien gleichschalten.
Es gab viele neue Pogromen. Zwar zogen nach dem Petersburger Blutsonntag auch 12 jüdische Abgeordnete in die erste Duma von 1906, doch die sahen sich dem mächtigen Bund des russischen Volkes entgegengesetzt, die in aller Öffentlichkeit die Eliminierung der Juden forderten. Sie publizierten die Protokolle der Weisen von Zion und verteilten diese. Sie garantierte die Kontrolle des Zaren im Parlament. Mit dem Juden als Sündenbock versuchte der Zar von den sozialen Missständen der Unterschicht abzulenken.

Es kam zur Auswanderung von 2 Millionen Juden, meist in die USA. Doch wegen der hohen Geburtenraten nahm die Gemeinde nicht ab. Es kam außerdem vermehrt zu Spenden ausländischer Juden, so dass Juden in Russland einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten. Das zog freilich neuen Neid nach sich.
Es wurden mehrere Großprojekte in Angriff genommen, um Millionen Juden nach Argentinien oder Uganda überzusiedeln. Alle diese scheiterten aber.

Nach der Februarrevolution 1917 kam es zu einer sehr kurzen Blütezeit des russischen Judentums. Alle Repressalien wurden von der westlich und liberal orientierten Regierung aufgehoben. Das führte dazu, dass die Juden sich aktiv und mit Begeisterung an der neuen Regierung beteiligten. Nur, genau das erfüllte andere mit Sorge. Besonders da die zionistische Bewegung an Zulauf gewann. Im Mai 1917 hielten die Zionisten ihre 7. Weltkonferenz in Petersburg ab. Es nahmen 140 000 Delegierte teil. Das erschrak viele Russen, denn es erweckte erneut die Angst vor dem Judenstaat. Außerdem bildeten sich viele Jugendgruppen Hechalutz genannt, die sich darauf vorbereiteten nach Palästina zu gehen. Nur das war suspekt. Zum einen, wenn die Juden gehen, würden sie gewiss ihre Reichtümer mitnehmen. Man sah darin eine Gefahr zur Wirtschaftskrise. Andere konnten nicht glauben das, die Juden ihre Immobilen aufgeben würden und glaubte hier den Aufbau einer geheimen Armee zu erkennen, die die Macht in Russland übernehmen wolle.

Schon im Oktober 1917 kam es zur bolschewistischen Revolution, der sich ein Bürgerkrieg anschloss, in der sich mehrere Armeen gegenseitig bekämpften. Es gab Pogromen, insbesondere der Ukraine. Über die Zahlen der Pogromen und Opfer gehen die Historikermeinungen weit auseinander.

Nachdem sich die Sowjetunion behauptete, wurde die Zahl der Juden 1922 nur noch auf 2,5 Millionen festgelegt. Diese Zahlen sind wohl eher Falsch, die bolschewistischen Erhebungen waren von Anfang an im Interesse der Partei gefälscht. Und die Juden hatten leider die sofortige Aufmerksamkeit der Kommunisten. Lenin hatte umgehend wieder die Judenfrage aufgeworfen.
Wir wissen heute, insbesondere unter Stalin, wurden die Statistiken gefälscht, so dass seine Opfer aus der Geschichtsschreibung verschwanden. Meist ließ er dann später jene, die die Statistiken fertigten auch töten, so dass sie alles mit ins Grab nahmen.
Die Mordorgien der bolschewistischen Hyänen muss aber gewaltig gewesen sein, auch wenn die Historiker sich wieder uneins sind. Linke versuchen Stalin und Lenin schön zu reden, ihre Gegner schlecht zu machen. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.
Lenin hatte sich sofort einer separaten jüdischen Nation entgegengestellt, dafür gab es keinen Platz in der Sowjetunion. Stalin sah in den Juden eine „Nation auf dem Papier“.
Trotzdem, die neue Regierung wendete sich gegen Pogromen und Antisemitismus und schien damit eine Assimilierung zu erzeugen. Die jüdische Jugend wendete sich begeistert den Kommunisten zu. Radikalisierte sich in deren Sinn, so dass sie auf gläubige Juden selbst als unaufgeklärte und dumme herab blickten. Einer der Gründer der Roten Armee war der Jude Leo Trotzki.

Dann aber kam das große Erwachen. Denn die Juden hatte etwas sehr wichtiges vergessen. Sie gehörten zur Mittelschicht, die von den Kommunisten zerstört werden sollte. Die Juden verarmten und das gefiel vielen nicht mehr. Die wirtschaftliche Lage der UdSSR war katastrophal. Darüber hinaus wurden auch intellektuelle Kultur der Juden zerstört, denn sie passte nicht zum Kommunismus.

1923 veranlasste Stalin den Simon Dimantstein, ein radikalisierter Kommunist, die jüdische Sektion Jewsekzija der KPdSU zu gründen. Ziel war es die Juden umzuerziehen. Wir sehen, das er sich der Methoden des zaristischen Russlands bediente und ebenso sich eines Juden bediente, der bei den Juden eher Vertrauen gewinnen sollte. Entspricht sehr gut der Taktik der Waffen-SS: Russland mit Russen zu erobern. Nun wurde die jüdische Religion bekämpft, das Studium der Tora verboten ebenso die Sprache Hebräisch. Und freilich die Zionistische Bewegung, die eigentlich sozialistisch war.
Zum gleichen Zeitpunkt wurde allerdings jiddisch gefördert in eigenen Schulen, aber es gab keine höheren Ausbildungsmöglichkeiten. Jüdische Intellektuelle migrierten, viele nach Palästina. Stalin rutschte allerdings immer mehr in einen Nationalsozialismus ab, der feindlich gegen Minderheiten vorging. Die jiddische Schulen wurde sehr bald wieder geschlossen. Der Zionismus immer mehr als Staatsfeind erachtet. Hinzu kamen erneut mehrere Millionen Juden, als die Sowjetunion, gemäß des Hitler-Stalin-Paktes Ostpolen annektierte. Stalin sah in den Juden ein immenses Problem.
Wir müssen von 5,5 bis 7 Millionen Juden ausgehen, die in der Sowjetunion lebten. Stalin nutzte insbesondere die bewusst herbeigeführte Hungerkatastrophe der Ukraine, um sich eines Großteiles der Juden zu entledigen. Entgegen vieler seltsamer Gerüchte muss man sagen, das weder Lenin noch Stalin offenbar selbst jüdische Ahnen hatten.

Es gab eine erste Große Säuberung unter Stalin 1936 bis 38, die sich unter anderem gegen Juden richtete und eine zweite die 1948 einsetzte und erst mit dem Tode Stalins 1953 endete. Diese 2. Welle richtete sich ausschließlich gegen Juden, als „wurzellose Kosmopolitan“. Leo Trotzki war der höchstrangige Jude der in der 1. Säuberung zum Opfer fiel. Er befand sich schon im Exil in Mexiko, als er dort ermordet wurde.

Die Behandlung der Judenfrage im Marxismus-Leninismus steckte voll von Widersprüchen. Die Theorie von Karl Marx, nach der das Judentum zusammen mit der bürgerlichen Gesellschaft verschwinden würde, also als Teil der Rechten, spielte da eine große Rolle.
Das Problem war nämlich ein Grundsätzliches. Der Genosse Lenin hatte da nicht richtig mitgedacht. Auch sein Nationalitätenprinzip beruhte auf Widerspruch. Grundsätzlich betonte er die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Andererseits aber propagierte er gleichzeitig den Zusammenschluss der Völker im Zeichen des Sozialismus. Sonst hätte er allen Völkern des Zaristischen Reiches die Selbstständigkeit geben müssen. Das wäre ja ein Rückschritt für den internationalen Kommunismus gewesen.
Die Nationen der Sowjetunion sollten durch die KP zu einem neuen ganzen „Neuen Menschen“ verschweißt werden. Dieser Internationalismus mündete in einen straffen Zentralismus, welcher der Idee von der nationalen Emanzipation zuwiderläuft. Die Juden waren ein Fremdkörper, da sie keinen Staat hatten.
Lenins Haltung zur Nationalitätenfrage ist durch und durch widersprüchlich. (Heinz Abosch: Antisemitismus in Rußland. Eine Analyse und Dokumentation zum sowjetischen Antisemitismus. Darmstadt 1972 S.83)
Nationale Absonderung war für den Sowjetführer ein reaktionäres (Rechtes) Verhalten, wenn sie sich nicht den Zielen des Sozialismus verschrieb. Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis sollte vor allem in der Judenpolitik der Sowjetunion deutlich zum Vorschein kommen.
Obwohl man es von offizieller Seite ablehnte, die sowjetischen Juden als Volk zu definieren, galten sie doch de facto als solches. Doch Karl Marx sagte das die Juden verschwinden müssen. Die Entfaltung einer nationalen Kultur lag nicht im Interesse des Regimes. Für die Behandlung der Judenfrage sollte Westeuropa als Vorbild dienen. Die westeuropäischen Juden waren für Lenin progressiv, weil sie für die fortschrittlichen Bewegungen des Zeitalters aufgeschlossen waren und sich ihnen anglichen. Die Juden in diesen Ländern assimilierten sich zunehmend, was auch von den sozialistischen Theoretikern der Epoche (Marx, Kautsky, Luxemburg) als Lösung der Judenfrage nachdrücklich empfohlen wurde. In der Überwindung des Kapitalismus sah man das Ende jeglicher Diskriminierung gegenüber den Juden erreicht. (Heinz Abosch: Antisemitismus in Rußland. Eine Analyse und Dokumentation zum sowjetischen Antisemitismus. Darmstadt 1972 S.87) 
Diese Lösung bedeutete allerdings nichts anderes als die völlige Aufgabe aller Merkmale, welche die Juden von der übrigen Bevölkerung unterschied. Assimilierung oder … Was sollte mit den Juden geschehen, die Juden bleiben wollten? Am Ende fordert die Schaffung des Neuen Menschen immer das Konzentrationslager. Es gibt keine Alternative.

Lenins Haltung zur Judenfrage war ein reines Theoriegebilde, welches nicht einmal in sich logisch war. Als man von offizieller Seite Ende der 20er Jahre gar an die Errichtung eines geschlossenen jüdischen Siedlungsgebietes im Fernen Osten ging, wurde die Theorie ganz und gar umgekehrt. Das war allerdings kein Zeichen für eine Abkehr von der leninschen Position, was sich später auch an der Umsetzung des Siedlungsprojektes deutlich zeigen sollte. Vielmehr beweist das Vorgehen der sowjetischen Behörden das Fehlen von Interesse einer Lösung des theoretischen Widerspruch. (Vetter, Matthias: Antisemiten und Bolschewiki. Zum Verhältnis von Sowjetsystem und Judenfeindschaft 1917-1939. Berlin 1995 S. 78)

Schon 1919, der Bürgerkrieg war noch nicht zu ende, verboten die Kommunisten die Zionistische Bewegung, was, wegen des Krieges, nur offiziell war, nicht aber Praktisch umgesetzt wurde. Eine Jüdische Nation war absolut inakzeptabel. Schon ab April 1920 wurde dann jede als zionistisch empfundene Äußerung brutal verfolgt. Jeder der als Zionist erkannt wurde, endete in den Gulags von Sibirien. (Haim Hillel Ben-Sasson: Geschichte des jüdischen Volkes. Dritter Band. Vom 17.Jahrhundert bis zur Gegenwart. München 1980 S.301)

Den Höhepunkt der ersten Welle des stalinistischen Terrors bildete die Säuberungswelle während der 30er Jahre. Lasar Kaganowitsch, enger Vertrauter Stalins und selbst Jude, fungierte dabei als Organisator und Schlüsselfigur hinter den Kulissen des Parteiapparats. Seit 1920 wurden tausende Akten von, als Zionist verdächtige Juden angelegt. 
Seit Mitte der 20er Jahre sammelte Kaganowitsch in Listen die Namen von tausenden Gegnern.(Rapoport, Louis: Hammer, Sichel, Davidstern. Judenverfolgung in der Sowjetunion. Berlin 1992.) 
Der damalige Leiter von Stalins Personal- und Berufungszentrale hegte ähnliche wie sein Chef- einen besonderen Hass gegen die jüdischen Intellektuellen, deren Zahl mit der Abschaffung der zaristischen Quoten für die Universitäten seit 1917 sprunghaft angestiegen war.

Die Säuberung selbst hatte Stalin von langer Hand vorbereitet, ehe die vielen Verhaftungen, Schauprozesse und Hinrichtungen 1936 einsetzten. Interessanterweise läuft das Parallel mit einem Anstieg der Repressalien gegen Juden in Nazi Deutschland, gemäß der selben Beschuldigungen. Das Ganze gipfelt in der Reichskristallnacht 1938. Zum selben Zeitpunkt kommt es zum Höhepunkt in der Sowjetunion. Die Kommunisten beginnen mit Deportationen in Gulags, die Nazis in KZs. Zunächst als Schutzhaft bezeichnet, mit Verweis auf die Pogromen der Reichskristallnacht. 
Die Kommunisten hatten von Deutschland Zyklon B gekauft. Gut, es war als Insektizid sogar noch nach dem 2. Weltkrieg verkauft worden. Aber, seit 1933 verteidigt der Britische Kommunist Bernard Shaw Massenmorde, und verteidigt die Diktatoren Hitler und Stalin. Er reist mehrfach in die Sowjetunion, besucht Gulags und plädiert dazu den Massenmord humaner zu gestalten und das durch Gas. Mag das alles Zufall sein?

Das Hauptziel der ersten Säuberungswelle von Stalin waren vielleicht nicht Juden gewesen. Doch auffällig viele jüdische Parteimitglieder wurden in Schauprozessen abgeurteilt. Ihr Todesurteil stand bereits vorher fest.
Von den 24 Jewsekzija-Funktionären wurden Ende der 30er Jahre 18 unter dem Vorwurf des jüdischen Nationalismus liquidiert, also als Zionist; Säuberung im neu geschaffenen Jüdischen Autonomen Gebiet in Birobidschan waren beträchtlich. In Russland gab es die selbe Propaganda gegen die Juden, wie in Deutschland.

Verschärft wurde die gefährliche Situation für die Juden durch die in den 30er Jahren allgegenwärtige Spionagehysterie. Durch die breite geographische Verteilung der Ostjuden und die vielen Emigrationsströme war den sowjetischen Juden ein weites Netz von verwandtschaftlichen Beziehungen ins Ausland zugewachsen. Das machte sie jetzt für mögliche Spionagetätigkeiten grundsätzlich verdächtig.
Die sowjetische Agitation im Dienste des paranoiden Stalins nutzte die antisemitischen Vorurteile in der Sowjetunion zu einem rigorosen Vorgehen gegen die Juden. Von allen Opfer-Nationalitäten der Sowjetunion war der größte Prozentsatz auf die Juden entfallen. (Rapoport, Louis: Hammer, Sichel, Davidstern. Judenverfolgung in der Sowjetunion. Berlin 1992. S. 63)
Bis 1939 wurde die große Mehrzahl der jüdischen Kultureinrichtungen einschließlich der 750 jiddischen Schulen geschlossen. Zwar kam die jiddische Kultur dadurch nicht völlig zum erliegen, doch wurde ihr durch die Liquidierung zahlreicher Künstler und Intellektueller die Basis für eine weitere Entwicklung entzogen. Die Publikation jiddischer Literatur nahm bis 1939 rein zahlenmäßig nicht merklich zu. Während 1934 348 Buchtitel verlegt wurden, waren es 1939 noch 339. In den Jahren dazwischen bewegten sich die Zahlen auf ähnlichem Niveau. Das deutet auf grave Probleme für ein Volk hin, ein massives Pogrom. 1938 auch wurden viele jüdische Tageszeitungen eingestellt.
Der Höhenflug der jiddischen Kulturproduktion war vorbei; die Terrorwelle hatte viele ihrer führenden Repräsentanten verschwinden lassen. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten sollten die sowjetischen Juden nie wieder Gelegenheit zu einer ähnlichen Entfaltung ihrer kulturellen Kräfte erhalten.


Alexander Borschtschagowski rekonstruierte die 2.Welle sowjetischer  Judenverfolgung beginnend 1947 in seinem „Orden für einen Mord“. Das Magazin Focus kommentierte das 1998:
Ein Stück Zeitgeschichte der Sowjetunion wird aufgerollt: Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit wurde Juden im „real-existierenden Sozialismus“ ein Schicksal bereitet, das in vielem an Victor Klemperers Bericht über die schleichende Entrechtung der Juden im Deutschen Reich erinnert.“

Anschließend beeilt man sich aber zu sagen, dass die Sowjetunion außer in diesem Punkt nicht mit dem Nazi-Deutschland verglichen werden könne. Ich sehe das anders. Ich meine stattdessen, das der Nationalsozialismus eine Variante des Stalinismus gewesen war.
Der Gulag war eben nichts anderes als ein KZ, in dem die Politik von „Tod durch Arbeit“ gehandhabt wurde. Beim Bau des Weißmeerkanales starben 10 000 Zwangsarbeiter pro Monat. Es gibt aber ein auffälliges Desinteresse an der Massenvernichtung in der Sowjetunion.

Wir müssen ebenso davon ausgehen das, während der Zwangskollektivierung der dreißiger Jahre in der Ukraine, Kasachstan, im Nordkaukasus und anderen Gebieten zu einer künstlichen Hungersnot kam, bis zu 20 Millionen Menschen starben. 
Das löste den berühmten Historikerstreit aus, in dem der linker Historiker Jürgen Habermas dies als „Austreibung der Kulaken“ bezeichnete. Nur, Anbetracht der wirtschaftlichen Situation muss davon ausgegangen werden, das viele dieser Kulaken eigentlich Juden waren. 
Man weiß das die Bolschewiki sich spezieller Fahrzeuge bedienten, um darin Gefangene zu vergasen. Diese Methode wurde von den Nazis angewandt. Ein Austausch beider Regime, die auch mal Verbündete waren, ist sehr naheliegend. Insbesondere da der Kommunist Bernard Shaw beide Regime zu Massenmorde aufstachelte und dazu Gas empfahl. Aus guten Grund will man sich der Aufarbeitung dieses Themas nicht widmen. Doch die wahren Zustände waren Regierungen im Westen sehr wohl bekannt.
Und trotzdem waren Juden im System Stalin weiterhin involviert. Leider Ja! Radikalisierte Ideologen sind zu allem Fähig, wenn sich sich für den „Neuen Menschen“ halten. Das ist nichts anderes als „Arier“ bei den Nazi, doch auch im Dritten Reich wurden auch Arier von Arier getötet.

Neoliberale sind sich in der Schaffung des „Neuen Menschen“ einig mit den Linken, da denken sie gleich. Und das muss zu beachten sein, wenn der Neoliberale Henry Kissinger, selbst jüdischer Abstammung, aber eben nicht gläubig, sagt: „Die Juden sind bloß aggressiv, ungehobelt und widerwärtig.“ Er ist bereits der Neue Mensch geworden, der sich Juden nicht mehr identifizieren kann. 
So berichte die New YorkTimes am 10. Dez. 2010 basierend auf Dokumenten die die Nixon Bibliothek turnusmäßig freigab, da diese nicht mehr der üblichen 30-Jahres-Frist für vertrauliche Regierungsdokumente unterliegen.

Allerdings berichteten die Dokumente auch vom Besuch der israelischen Premierministerin Golda Meir 1973. Doch danach sagte Kissinger zu Präsident Nixon, wie unwichtig die Interessen Israels für die USA seien. Die wollte nämlich erreichen, dass die USA Moskau dränge, Juden aus Russland nach Israel ausreisen zu lassen. Das aber wollte die Sowjetunion nicht erlauben, um ihre innigen Beziehungen zu den muslimischen Staaten nicht zu belasten. Kissinger sagte zu Nixon:
Die Ausreise von Juden nach Israel ist kein Ziel amerikanischer Außenpolitik. Und wenn sie in der Sowjetunion Juden in Gaskammern stecken, ist das keine amerikanische Angelegenheit.“
Nixon antwortete:
Ja, ich weiß, wir können deswegen nicht die ganze Welt hochjagen.“

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